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Portugal NHR · Spanien Beckham · Steuervergleich 2026

Portugal NHR vs. Spanien Beckham-Gesetz: Welches Regime ist für Deutsche besser?

📅 Mai 2026 ✍️ Jacob Salama 🕐 13 Min. Lektüre

Portugal und Spanien sind die beiden beliebtesten Zieldestinationen für deutschsprachige Auswanderer, die eine günstigere Steuerlast suchen. Beide Länder bieten Sonderregime für Neuankömmlinge: Portugal das (Non-Habitual Resident) NHR-Regime — das seit 2024 im neuen IFICI-Gewand weiterläuft — und Spanien das Beckham-Gesetz (Art. 93 LIRPF). Beide Regime sind fundamental verschieden in ihrer Ausgestaltung, ihren Bedingungen und ihrer Eignung für verschiedene Personengruppen.

Dieser Leitfaden vergleicht beide Regime direkt miteinander und beantwortet die Frage: Was ist für Angestellte, Unternehmer, Rentner und Hochverdiener aus Deutschland besser?

Hinweis zum Anwendungsbereich: Jacob Salama ist auf spanisches Steuerrecht spezialisiert. Der Vergleich mit dem portugiesischen IFICI basiert auf öffentlich verfügbaren Informationen. Für eine verbindliche Beratung zum portugiesischen IFICI empfehlen wir, einen in Portugal zugelassenen Steuerberater hinzuzuziehen. Für das spanische Beckham-Gesetz stehen wir Ihnen umfassend zur Verfügung.

Das alte NHR-Regime (2009–2023) und seine Geschichte

Das ursprüngliche NHR-Regime wurde 2009 in Portugal eingeführt und bot qualifizierten Neuzuzüglern über 10 Jahre hinweg erhebliche Steuervorteile:

Wichtig: Das alte NHR-Regime für Neuanträge wurde mit Wirkung zum 1. Januar 2024 abgeschafft. Personen, die sich bis zum 31. März 2024 in Portugal angemeldet und das Regime beantragt haben, können noch bis zu 10 Jahre davon profitieren. Für alle anderen gilt seit 2024 das neue IFICI.

Das neue IFICI-Regime (seit 2024): Nachfolger des NHR

Das Incentivo Fiscal à Investigação Científica e Inovação (IFICI) trat am 1. Januar 2024 in Kraft und ersetzt das alte NHR. Es ist deutlich enger gefasst:

Wesentliche IFICI-Merkmale:

Das spanische Beckham-Gesetz: Kurze Wiederholung

Das Beckham-Regime (Art. 93 LIRPF, erweitert durch das Startup-Gesetz 2023) bietet:

Für eine vollständige Darstellung des Beckham-Gesetzes lesen Sie unseren ausführlichen Artikel auf Deutsch.

Der direkte Vergleich: Portugal IFICI vs. Spanien Beckham

Kriterium Portugal IFICI (2024+) Spanien Beckham-Gesetz
Steuersatz auf qualifizierte Inlandseinkünfte 20% 24% (bis €600.000)
Steuersatz über Schwellenwert Regulärer IRS-Tarif (bis ~53%) 47% (über €600.000)
Laufzeit 10 Jahre 6 Jahre
Ausländische Arbeitseinkünfte Teilweise befreit (je nach Herkunftsstaat und Tätigkeit) Nicht in Spanien besteuert (als Nichtresident)
Ausländische Dividenden/Zinsen Nicht mehr pauschal befreit unter IFICI Nicht in Spanien besteuert
Ausländische Mieteinnahmen Unterliegen portugiesischem IRS Nicht in Spanien besteuert
Ausländische Renten (z.B. deutsche GRV) Unter IFICI NICHT befreit (regulärer IRS-Satz) Nicht in Spanien besteuert
Qualifizierungsvoraussetzungen Enge Liste qualifizierter Berufe / Sektoren Breiter (Anstellung, Remote, Startup, Familienangehörige)
Erweiterung auf Familienangehörige Jedes Familienmitglied muss separat qualifizieren Ehegatten und Kinder können mitziehen
Vermögensteuer auf Auslandsvermögen Portugal hat keine allgemeine Vermögensteuer Keine Pflicht unter Beckham (Nichtresidenten-Status)
Auslandsvermögen-Erklärungspflicht Portugiesische Pflichten gelten; weniger scharf als Modelo 720 Keine Modelo 720-Pflicht
Sozialversicherung Portugiesische SS (ca. 11% AN, 23,75% AG) Spanische SS (ca. 6,35% AN, 29,9% AG)
Lebenshaltungskosten Portugal generell günstiger (außer Lissabon) Spanien variiert stark (Madrid teuer, Andalusien günstig)

Wer profitiert mehr von welchem Regime?

Für Arbeitnehmer mit deutschem Arbeitgeber (Remote)

Vorteil: Beckham-Gesetz (Spanien)

Das Beckham-Regime erlaubt Remote-Arbeit für einen ausländischen Arbeitgeber und besteuert das gesamte ausländische Gehalt in Spanien mit nur 24%. Da das Gehalt vom deutschen Arbeitgeber stammt, gilt es als "ausländisches Arbeitseinkommen" — das Beckham-Regime behandelt Sie als Nichtresidenten und besteuert grundsätzlich nur spanische Quelleneinkünfte. Bei Remote-Arbeit wird das Gehalt jedoch als spanisch behandelt, da die Arbeit physisch in Spanien erbracht wird.

Portugal IFICI: Ähnliche Mechanik, aber 20% statt 24% — theoretisch günstiger. Die Einschränkung: Die Tätigkeit muss in die enge IFICI-Liste passen.

Für Unternehmer / Startup-Gründer

Vorteil: Beckham-Gesetz (Spanien) — mit Einschränkungen

Das Startup-Gesetz 2023 hat die Zugänglichkeit des Beckham-Gesetzes für Unternehmer erheblich erweitert. Gründer qualifizierter Startups können das Regime nutzen und zahlen auf ihr Managementgehalt 24%. Für Gewinne aus Beteiligungen (Dividenden) gilt das günstige Nichtresidenten-Regime. Portugal IFICI ist für Unternehmer enger gefasst und erfordert eine klare Einordnung in die qualifizierende Tätigkeit.

Für Rentner mit deutschen Rentenansprüchen

Vorsicht: Portugal IFICI bietet keine Rentenbefreiung mehr

Dies ist der fundamentalste Unterschied zwischen altem und neuem NHR. Das alte NHR war ein Paradies für Rentner — ausländische Renten (darunter die deutsche gesetzliche Rente und Betriebsrenten) waren in Portugal steuerbefreit. Das neue IFICI enthält keine solche Befreiung mehr. Rentner, die auf das alte NHR zählen konnten, haben diese Option nicht mehr.

Unter dem Beckham-Gesetz werden Rentner in der Regel nicht begünstigt — das Regime richtet sich an Erwerbstätige. Rentner in Spanien zahlen reguläre IRPF auf ihre Renten.

Für Rentner ohne qualifizierte Tätigkeit sind weder IFICI noch Beckham attraktiv. Die Entscheidung Spanien vs. Portugal hängt dann von anderen Faktoren ab (Lebenshaltungskosten, Gesundheitsversorgung, DBA-Regelungen).

Für Hochverdiener über €600.000

Vorteil: Portugal IFICI bei sehr hohen Einkommen

Das Beckham-Gesetz ist nur bis €600.000 steuereffizient — darüber greift der 47%-Satz. Portugal IFICI kennt keine Einkommensobergrenze für den 20%-Satz auf qualifizierte Einkünfte. Bei Gesamteinkommen von €1 Million aus qualifizierter Tätigkeit zahlen Portugal-IFICI-Nutzer auf den gesamten Betrag 20%, während Beckham-Nutzer oberhalb von €600.000 47% zahlen.

Für Personen mit erheblichem Kapitalvermögen (Dividenden, Zinsen, Mieten aus dem Ausland)

Vorteil: Beckham-Gesetz (Spanien) bei ausländischen Kapitalerträgen

Das Beckham-Regime behandelt Sie als Nichtresidenten: Ausländische Kapitalerträge (Dividenden aus deutschen Aktien, Zinsen aus deutschem Kapital, Mieteinnahmen aus deutschen Immobilien) werden in Spanien nicht versteuert. Das alte NHR bot ähnliches — das IFICI nicht mehr in gleichem Umfang. Für Personen mit erheblichem ausländischen Kapitalvermögen bietet das Beckham-Gesetz daher einen klaren Vorteil gegenüber dem neuen IFICI.

Übersichtstabelle: Welches Regime für wen?

Personenprofil Empfehlung Begründung
Remote-Angestellter (€80.000–€500.000 Gehalt, aus D) Beide ähnlich; IFICI 20% vs. Beckham 24% Lifestyle entscheidet; steuerlich Portugal marginaler Vorteil bei reinem Gehalt
Startup-Gründer / Unternehmer Spanien Beckham Breiter zugänglich nach Startup-Gesetz 2023; ausländische Dividenden steuerfrei
Rentner mit deutschem Rentenanspruch Weder Beckham noch IFICI optimal IFICI befreit Renten nicht mehr; Beckham gilt nur für Erwerbstätige
Hochverdiener über €600.000 Jahreseinkommen Portugal IFICI Kein Deckel bei 20% vs. 47% bei Beckham über €600.000
Kapitaleinkünfte-Investor (Dividenden, Zinsen) Spanien Beckham Ausländische Kapitalerträge nicht besteuert; IFICI besteuert diese jetzt
Familie mit mitziehenden Kindern / Ehepartner Spanien Beckham Direktere Familienerweiterung möglich
Forscher / Wissenschaftler / Ingenieur in Tech Portugal IFICI Speziell für diese Berufe konzipiert; 20% bei 10 Jahren

Nicht-steuerliche Faktoren: Lebensqualität und Infrastruktur

Die Steuer ist nur ein Teil der Entscheidung. Weitere wichtige Faktoren:

Faktor Portugal Spanien
Lebenshaltungskosten Generell günstiger (außer Lissabon-Zentrum) Variabel; Madrid teuer, Andalusien/Murcia günstig
Englischkenntnisse der Bevölkerung Sehr hoch, besonders Lissabon/Porto Variabel; Madrid/Barcelona gut, ländliche Gebiete weniger
Gesundheitsversorgung Gut; private Zusatzversicherung empfohlen Sehr gut; eines der besten Gesundheitssysteme weltweit
Klima / Lebensqualität Mild; Algarve sehr beliebt Sehr vielfältig; Küste, Inland, Inseln (Kanaren, Balearen)
Immobilienpreise (2026) Stark gestiegen; Lissabon und Algarve teuer Stark gestiegen; Madrid und Barcelona sehr teuer, Andalusien moderat
Sprachbarriere für Einsteiger Portugiesisch; Deutsche lernen Spanisch oft schneller Spanisch; verwandter an Deutsch in Grammatikstruktur
Flughafenanbindung Gut (Lissabon, Porto, Faro) Hervorragend (Madrid, Barcelona, Málaga, Valencia, Kanaren)

Schlüsselunterschiede: Was man nicht vergessen darf

Portugal IFICI besteuert ausländische Renten — altes NHR tat es nicht: Wer auf Basis des alten NHR-Regimes plant oder beraten wurde, muss wissen: Das neue IFICI enthält diese Begünstigung nicht mehr. Deutsche Staatsbürger, die ihre deutschen Rentenansprüche schützen wollen, finden im IFICI keine Lösung.

Spanien Beckham gilt nur für Arbeitseinkünfte: Das Beckham-Regime besteuert nur spanische Einkünfte. Es schützt zwar effizient vor der Besteuerung ausländischer Kapitalerträge — aber es reduziert nur den Steuersatz auf das spanische Arbeits- oder Unternehmenseinkommen. Wer primär von ausländischen Kapitalerträgen lebt und keine qualifizierte spanische Erwerbstätigkeit ausübt, kann das Regime gar nicht nutzen.

Die Wahl ist unwiderruflich: Sowohl das IFICI als auch das Beckham-Gesetz binden den Steuerpflichtigen für die Laufzeit des Regimes. Ein Wechsel zwischen beiden Ländern oder Regimen ist steuerlich komplex und kann zu erheblichen Kosten führen. Die Entscheidung sollte sorgfältig und idealerweise mit professioneller Beratung in beiden Ländern getroffen werden.

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Häufig gestellte Fragen

Theoretisch ja — die Residenzzeiten in Portugal zählen nicht als spanische Residenz, sofern Sie während der Portugal-Jahre nie in Spanien steuerpflichtig waren. Nach dem IFICI-Zeitraum (10 Jahre) könnten Sie nach Spanien ziehen und das Beckham-Gesetz beantragen, sofern Sie die Voraussetzungen erfüllen (keine spanische Residenz in den letzten 5 Jahren). Praktisch ist eine solche 10+6-Jahresstrategie möglich, aber komplex und erfordert sorgfältige Planung. Die steuerliche und persönliche Situation in beiden Ländern ist vorab zu analysieren.
Das alte NHR-Regime ist für Neuantragsteller ab 2024 nicht mehr zugänglich. Personen, die sich bis zum 31. März 2024 in Portugal angemeldet hatten und rechtzeitig den Antrag stellten, können das Regime bis zu 10 Jahre ab ihrer erstmaligen Anerkennung als NHR nutzen. Für alle anderen gilt ausschließlich das neue IFICI.
Nein — unter dem Beckham-Regime werden Sie als Nichtresident behandelt und besteuern nur spanische Quelleneinkünfte. Die deutsche gesetzliche Rente ist eine ausländische Einkunft und wird in Spanien unter dem Beckham-Regime nicht versteuert. Allerdings: Wenn das Beckham-Regime endet und Sie in das reguläre IRPF-Regime wechseln, wird die Rente in Spanien steuerpflichtig (nach DBA-Regeln: Artikel 18 DBA Deutschland–Spanien regelt Renten). Dies ist bei der Austrittsplanung zu berücksichtigen.
Das hängt von Ihrer konkreten Tätigkeit ab. Klassische autonome Tätigkeiten (spanischer Freelancer-Status) qualifizieren in der Regel nicht für das Beckham-Regime. Nach dem Startup-Gesetz 2023 können jedoch hochqualifizierte Fachkräfte, die Dienstleistungen für qualifizierte Unternehmen oder F&E-Einrichtungen erbringen, das Regime nutzen. Auch Gründer von qualifizierten Startups sind einbezogen. Die exakte Abgrenzung ist im Einzelfall zu prüfen und erfordert eine formelle Beurteilung durch einen Steuerberater.
In beiden Ländern gelten grundsätzlich die nationalen Sozialversicherungspflichten für Personen, die dort wirtschaftlich tätig sind. EU-Verordnungen (EG 883/2004) koordinieren, welches Land die Beiträge erhebt. Remote-Mitarbeiter ausländischer Unternehmen können unter Umständen weiterhin im Heimatstaat versichert bleiben (A1-Bescheinigung). Für Selbständige gelten eigene Regeln. Die Sozialversicherungsbelastung ist in die Gesamtberechnung einzubeziehen, da sie nicht unter die Steuerregime fällt und erheblich sein kann.
Ja. Die deutsche Wegzugsbesteuerung nach §6 AStG kann beim Wegzug nach Spanien — wie in alle anderen Staaten — zur Entstrickung stiller Reserven in wesentlichen Beteiligungen (≥1% in den letzten 5 Jahren) führen. Dies ist unabhängig vom spanischen Beckham-Regime. Seit der Reform 2022 gilt für Umzüge innerhalb der EU/EWR eine Stundungsmöglichkeit, jedoch keine Dauerstundung. Vor dem Umzug sollte die Wegzugssteuer-Exposition immer analysiert werden.
Spanien wird von der WHO und anderen internationalen Institutionen regelmäßig als eines der besten Gesundheitssysteme der Welt eingestuft. Das öffentliche System ist für Steuerzahler weitgehend kostenlos zugänglich. Portugal hat ebenfalls ein gutes öffentliches Gesundheitssystem, jedoch mit längeren Wartezeiten in einigen Bereichen. Für Expats in beiden Ländern empfiehlt sich eine private Krankenversicherung als Ergänzung, die auch bei spanischen Visa-Antragsverfahren oft gefordert wird.

Gesetzliche Grundlagen

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